Ich weiß, dass ich nichts weiß – Woher stammt das Sprichwort?
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“
zählt zu den bekanntesten Zitaten der Antike. Doch woher stammt das Zitat, welche Bedeutung hat es und weshalb ist es bis heute in aller Munde?
Die Ursprünge der geflügelten Worte von Sokrates
„Ich weiß, dass ich nichts weiß“, ist ein Zitat, das auf den griechischen Gelehrten Sokrates zurückgeht. Sokrates (469-399 v. Chr.) selbst war im antiken Griechenland ein bekannter und angesehener Philosoph, der zu Zeiten der Attischen Demokratie in Athen lebte und arbeitete. Im Jahr 399 v. Chr. wurde er unter anderem wegen Vorwürfen wie Gottlosigkeit und schlechtem Einfluss auf die Jugend gerichtlich angeklagt, schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Zuvor soll laut Platon ein gewisser Chairephon, ein Freund von Sokrates, das Orakel von Delphi dazu befragt haben, ob es denn jemanden gibt, der weiser sei als Sokrates, was die weissagende Priesterin jedoch verneinte.
Aus der von Platon überlieferten Verteidigungsrede (Apologie des Sokrates), welche der Philosoph 399 v. Chr. vor dem athenischen Gericht hielt, wurde später das bis heute bekannte Zitat „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ entlehnt. Das geflügelte Wort wurde aber erst 45 v. Chr. von Cicero in seinem literarischen Dialog „Academici libri“, zum ersten Mal schriftlich festgehalten.
Die berühmten Worte des Sokrates „oîda ouk eidos“ wurden aber noch in der Antike zu einem beliebten Zitat. Im Laufe der Zeit wurden die Worte jedoch meist falsch übersetzt und verfälschten somit die eigentliche Aussage. Bei dem ergänzenden „s“ an dem Wort „nicht“ handelt es sich also um einen reinen Übersetzungsfehler. Die sinngemäße Übersetzung des Zitats lautet nämlich „Ich weiß als Nicht-Wissender“ oder kann auch „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ bedeuten.
Deutung und Bedeutung
Trotz der Tatsache, dass „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ zu den bekanntesten antiken Zitaten gehört, wurde es vorwiegend falsch übersetzt oder falsch verstanden.
Sokrates wollte mit seinen Worten nämlich die Haltung des Menschen zum Wissen darstellen. Somit behauptet Sokrates nicht, dass er nichts weiß, sondern hinterfragt, was man als Mensch denn überhaupt zu wissen meint. Er spricht zwar über seinen Mangel an Wissen, behauptet aber zu keiner Zeit, dass er unwissend sei. Somit meinte Sokrates wohl eher „Ich weiß, worüber ich nichts weiß“.
Von dieser Aussage lassen sich grundlegende Einsichten in die Gedanken von Sokrates ableiten. Das Ziel jedes Menschen sollte es nämlich sein, eine unvoreingenommene und selbstkritische Haltung zu entwickeln und somit in der Lage zu sein, das eigene Wissen stets zu hinterfragen und sich dadurch weiterzuentwickeln.
Als Philosoph untermauert Sokrates mit seiner Aussage die Haltung, nichts als Wissen zu übernehmen, ohne sichere Beweise dafür zu haben. Gleichzeitig weist er auf die beschränkte Sicht der Menschen auf die Realität hin. Da vieles, das Menschen zu wissen glauben, später widerlegt wird. Aus diesem Grund sollten Menschen nach Sokrates Meinung alles infrage stellen und niemals behaupten, dass sie alles wissen. Denn es kommen immer wieder neue Aspekte und Erkenntnisse auf, die das ursprüngliche Wissen widerlegen.
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