Ist Theo schon zu häufig? Was städtische Open-Data-Listen über Babynamen zeigen

„Ist Theo inzwischen zu häufig?“ Diese Frage stellen sich werdende Eltern oft, bevor sie sich festlegen. Meist sucht man die Antwort in einer bundesweiten Hitliste. Genauer wird es mit den Zahlen der eigenen Stadt, und die sind an manchen Orten frei verfügbar. Die folgenden Fragen und Antworten zeigen, was sich aus solchen offenen Verwaltungsdaten ablesen lässt und wo ihre Grenzen liegen.

Woher kommen Vornamensstatistiken eigentlich?

Jede Geburt wird beim Standesamt beurkundet, und mit ihr die Vornamen des Kindes. Aus diesen Einträgen entstehen zwei Arten von Statistiken. Die bekanntere ist die Deutschland-Auswertung der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die seit 1977 Ranglisten veröffentlicht. Für den Jahrgang 2025 hat sie nach Medienberichten 831.298 Namenseinträge ausgewertet, das entspricht rund 90,9 Prozent aller in dem Jahr vergebenen Vornamen. Die Einzeldaten dahinter gibt die GfdS nicht offen heraus. Wer genauere Listen möchte, kann sie bei der GfdS bestellen.

Die zweite Quelle sind Kommunen, die ihre Daten als offene Verwaltungsdaten veröffentlichen. Die Landeshauptstadt München etwa stellt für jedes Jahr seit 2013 eine Tabelle mit Vorname, Anzahl und Geschlecht bereit. Auch Leipzig, Bonn und Köln haben entsprechende Datensätze in ihren Portalen, Berlin hat jahrgangsweise Listen nach Bezirken veröffentlicht. Diese Dateien darf jeder herunterladen, auswerten und weiterverwenden, solange die Lizenzbedingungen eingehalten werden, in München die Datenlizenz Deutschland mit Namensnennung.

Was sagt die bundesweite Auswertung für 2026?

Laut GfdS waren Sophia und Noah die häufigsten Erstnamen des Jahres 2025. Bei Sophia sind die Schreibweisen Sophia und Sofia zusammengefasst, sie kam auf einen Anteil von 1,33 Prozent der ausgewerteten Erstnamen. Noah erreichte 1,48 Prozent. Dahinter folgten bei den Mädchen Emma und Emilia, die gegenüber dem Vorjahr die Plätze getauscht haben, bei den Jungen Mat(h)eo, Theo und Leo. Theo kletterte von Rang 7 auf Rang 3, Leo von Rang 12 auf Rang 4.

Schon diese Prozentwerte rücken eine verbreitete Sorge zurecht. Selbst der Spitzenreiter erreicht nur einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Namenslandschaft ist heute so breit gestreut, dass ein Platz in den Top 10 noch lange nicht bedeutet, dass ein Name überall zu hören ist.

Wie hat sich die Namenswahl in einer Großstadt verändert?

Ein Blick in die Münchner Open-Data-Dateien macht Entwicklungen über ein gutes Jahrzehnt sichtbar. Verglichen wurden hier die Jahrgänge 2013 und 2025. Alle Werte sind absolute Zahlen der Neugeborenen mit Hauptwohnsitz in München, Schreibvarianten sind nicht zusammengerechnet.

Deutlich gefragter als vor zwölf Jahren

  • Theo: von 27 auf 73
  • Matteo: von 14 auf 46
  • Leonie: von 43 auf 62
  • Ida: von 25 auf 43
  • Anton: von 71 auf 87
  • Elias: von 52 auf 64

Spürbar seltener geworden

  • Maximilian: von 166 auf 65
  • Johanna: von 77 auf 15
  • Anna: von 109 auf 45
  • Laura: von 65 auf 24
  • Sophie: von 80 auf 42
  • Jonas: von 58 auf 39

Die jeweils häufigsten Namen 2025 sind in München Felix (89), Anton (87) und Emil (80) bei den Jungen sowie Emma (81), Clara (79) und Emilia (74) bei den Mädchen. Im Jahrgang 2013 standen noch Maximilian, Felix und David beziehungsweise Anna, Sophia und Emilia vorn.

Welche Muster stecken hinter den Zahlen?

Drei Beobachtungen ziehen sich durch die Daten. Erstens werden die Abstände an der Spitze kleiner. 2013 lag Maximilian mit 42 Kindern Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, 2025 trennen Felix und Anton gerade einmal zwei Kinder. Eltern verteilen sich auf mehr Namen, kein einzelner dominiert mehr.

Zweitens gewinnen kurze Namen mit klarer Vokalendung: Theo, Leo, Ida, Mila. Sie funktionieren in vielen Sprachen und lassen sich kaum abkürzen. Drittens kehren Namen zurück, die man eher mit Urgroßeltern verbindet, etwa Anton, Emil, Frieda oder Clara. Gleichzeitig verlieren Namen, die um das Jahr 2000 herum sehr verbreitet waren und heute vielen jungen Eltern aus der eigenen Schulklasse vertraut sind, zum Beispiel Laura, Lena oder Jonas.

Lokale Unterschiede bleiben dabei bestehen. Die GfdS weist für 2025 etwa darauf hin, dass Karl beziehungsweise Carl und Oskar beziehungsweise Oscar im Osten Deutschlands weiter vorne liegen als im Westen. Eine Münchner Liste ist deshalb nicht einfach auf Dresden oder Hamburg übertragbar.

Wie verlässlich sind diese Daten?

Offene Daten sind nachprüfbar, aber nicht ohne Eigenheiten. Vier Punkte sollte man kennen, bevor man Schlüsse zieht:

Eigenheit Was sie bedeutet
Getrennte Schreibweisen In München stehen Sophia (60) und Sofia (39) für 2025 einzeln. Zusammen wären es 99 und damit mehr als bei Emma.
Datenschutzschwelle Seltene Namen erscheinen nur mit dem Vermerk „4 oder weniger“. Das betrifft 2025 in München 3.707 der 4.175 Einträge.
Wohnort statt Geburtsort München zählt Kinder nach Hauptwohnsitz. Andere Städte zählen beurkundete Geburten, dort tauchen auch Familien aus dem Umland auf.
Namensposition Manche Datensätze unterscheiden Erst- und Folgenamen, andere nicht. Ein Vergleich zwischen Städten ist nur bei gleicher Zählweise sinnvoll.

Hinzu kommt, dass auch die bundesweite GfdS-Statistik keine Vollerhebung ist. Rund neun Prozent der 2025 vergebenen Namen sind in der Auswertung nicht enthalten.

Wie kann man selbst nachsehen?

Wer die Zahlen für die eigene Region prüfen will, braucht kein Statistikstudium. Im Open-Data-Portal der Stadt nach dem Stichwort „Vornamen“ suchen, die CSV-Datei in ein Tabellenprogramm laden und nach der Anzahl sortieren, das reicht für einen ersten Eindruck. Interessant wird es, wenn man zwei Jahrgänge nebeneinanderlegt und schaut, wie sich der eigene Favorit entwickelt. Die Münchner Daten finden sich im Open-Data-Portal München.

Eine Rangliste ersetzt allerdings nicht das Gespräch darüber, wie ein Name klingt, wie er zum Nachnamen passt und was er der Familie bedeutet. Elternratgeber wie Cool Erziehen fassen die jährlichen GfdS-Ergebnisse verständlich zusammen und erklären, warum Ränge nichts über die Eignung eines Namens aussagen. Wer diese Übersichten mit den Rohdaten der eigenen Stadt kombiniert, weiß am Ende recht genau, ob der Wunschname im Kindergarten eher eine Ausnahme oder einer von mehreren sein wird.

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