Heizkörper reinigen im Herbst: So geht’s richtig
Irgendwann im Oktober fängt es an: Die Nächte werden kühler, der erste Griff zur Heizung kommt. Und dann liegt es einem buchstäblich vor der Nase, was sich über den Sommer zwischen den Lamellen, Rippen und Platten angesammelt hat. Staub, Flusen, manchmal sogar Tierhaare. Was harmlos klingt, kostet tatsächlich Geld. Laut einer Faustregel aus der Heizungstechnik kann eine Staubschicht von nur einem Millimeter die Wärmeleistung eines Heizkörpers um bis zu fünf Prozent reduzieren. Wer also vier Heizkörper im Wohnzimmer hat und alle verdreckt sind, heizt messbar ineffizient.
Warum Reinigen vor der Heizsaison sinnvoll ist
Der beste Zeitpunkt für die Reinigung ist der frühe Herbst, bevor die Heizung dauerhaft läuft. Bei kaltem Heizkörper lässt sich leichter arbeiten, Staub verteilt sich nicht durch aufsteigende Warmluft im Raum, und man sieht besser, was sich angesammelt hat. Wer im Dezember reinigt, hat den Dreck bereits durch den Raum geblasen.
Ein weiterer Grund: Heizkörperventile, die über Monate nicht bewegt wurden, können festsitzen. Wer die Thermostatköpfe beim Reinigen kurz ab- und wieder aufdreht, bemerkt frühzeitig, ob ein Ventil tauscht werden muss. Das ist billiger als ein Installateur-Notfalleinsatz an einem Freitagabend im November.
Die drei häufigsten Heizkörpertypen und ihre Tücken
Nicht jeder Heizkörper ist gleich, und genau das entscheidet, welches Werkzeug taugt.
Plattenheizkörper
Der Klassiker in deutschen Wohnungen. Meist ein- oder zweilagig, mit oder ohne Konvektorbleche dahinter. Die vorderen Platten sind leicht zugänglich, aber die Konvektoren dahinter, diese senkrecht verlaufenden Blechstreifen, sind das eigentliche Problem. Normales Staubtuch kommt da nicht durch. Wer einen Staubsauger mit schmalem Aufsatz hat, kann von oben grob absaugen. Für die tiefen Zwischenräume braucht man eine Bürste, die lang genug und schmal genug ist, um senkrecht hindurchzukommen.
Röhrenheizkörper
Oft im Bad, vertikal oder horizontal verlaufende Rohre, manchmal als Handtuchhalter. Hier ist die Reinigung einfacher, weil die Rohre von außen gut zugänglich sind. Ein feuchtes Tuch reicht für die Oberfläche. Die Herausforderung liegt in den Verbindungsstellen und dem unteren Bereich, der auf dem Boden aufliegt oder nah an der Wand sitzt.
Gusseiserne Rippenradiatoren
Wer in einem Altbau wohnt, kennt sie: schwere, gliedrige Heizkörper mit tiefen Rippen. Sie speichern Wärme gut, aber die engen Kanäle zwischen den Gliedern sammeln über Jahre Staub, der sich durch Feuchtigkeit und Temperaturen fast zu Platten verdichtet. Hier reicht kein Staubsauger. Hier muss man mechanisch ran.
Welche Bürste wofür geeignet ist
Auf dem Markt gibt es eine breite Auswahl, vom günstigen Flaschenbürsten-Klon bis zur spezialisierten Heizkörperbürste mit flexiblem Stiel. Wer sich unsicher ist, findet in einem ausführlichen Vergleich, welche Bürste für Heizkörper-Rippen taugt, einen guten Ausgangspunkt für die Kaufentscheidung. Grundsätzlich lässt sich sagen: Die Borsten müssen weich genug sein, um Lack nicht zu zerkratzen, aber fest genug, um festsitzenden Staub zu lösen.
Für Plattenheizkörper mit Konvektoren sind schmale, lange Flachbürsten ideal, die man von oben durch den Schlitz führen kann. Breiten von 3 bis 4 Zentimetern passen in die meisten Schlitze zwischen Konvektoren. Für Rippenradiatoren aus Gusseisen eignen sich runde Bürstenköpfe mit einem Durchmesser von etwa 5 bis 6 Zentimetern auf einem langen, biegsamen Stiel. So kommt man in die runden Kanäle zwischen den Gliedern.
Eine einfache Übersicht nach Typ:
| Heizkörpertyp | Empfohlene Bürstenform | Stiellänge |
|---|---|---|
| Plattenheizkörper mit Konvektoren | Flachbürste, 3 bis 4 cm breit | ab 50 cm |
| Röhrenheizkörper | Rundbürste oder feuchtes Tuch | 30 cm reicht |
| Gusseiserner Rippenheizkörper | Rundbürste, 5 bis 6 cm Durchmesser | ab 60 cm, flexibel |
Schritt für Schritt: So läuft die Reinigung ab
Vor der Reinigung Heizung abdrehen oder auf Minimum stellen. Dann eine alte Decke oder Zeitungen auf dem Boden unter dem Heizkörper ausbreiten. Der Staub fällt nach unten, und man will das hinterher nicht mit dem Staubsauger aus dem Teppich kratzen.
- Thermostataufsatz abschrauben und separat abwischen.
- Mit dem Staubsauger (Fugendüse) von oben die groben Ablagerungen absaugen.
- Bürste von oben oder seitlich durch die Zwischenräume führen, dabei gleichmäßig ziehen statt drücken.
- Seitenwände und Rückwand mit einem leicht feuchten Tuch abwischen.
- Boden unter dem Heizkörper saugen, dort sammelt sich das meiste.
- Thermostataufsatz wieder montieren und kurz auf- und zudrehen.
Für hartnäckigen Schmutz auf der Außenoberfläche hilft ein Tropfen Spülmittel im Wasser. Aggressive Reiniger oder Scheuermittel sollte man bei lackierten Heizkörpern meiden, sie greifen die Oberfläche an und begünstigen Rostbildung an Beschädigungen.
Was danach zu tun ist
Wer beim Reinigen bemerkt, dass ein Heizkörper ungleichmäßig warm wird, also oben warm, unten kalt, sollte ihn entlüften. Dafür gibt es den Entlüftungsschlüssel, den man am Entlüftungsventil (meist oben an einer der Seiten) ansetzt. Heizung kurz aufdrehen, Schlüssel ansetzen, vorsichtig öffnen bis Wasser kommt, dann sofort schließen. Das dauert 30 Sekunden und spart im Winter deutlich Energie.
Wer mehrere Heizkörper im Haushalt hat, sollte sich einmal im Jahr die Zeit nehmen. Zwei Stunden Arbeit im Oktober sparen übers Jahr nicht nur Heizkosten, sie verlängern auch die Lebensdauer der Anlage. Und das Raumklima verbessert sich spürbar, weil weniger aufgewirbelter Hausstaub durch die Heizungsluft zirkuliert. Das merken vor allem Allergiker.
Kurz gesagt: Die richtige Bürste ist kein großer Kostenfaktor, die falsche Heizgewohnheit schon.
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