Stromkosten im Haushalt wirklich senken

Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht in Deutschland rund 3.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem Preis von etwa 30 bis 32 Cent je Kilowattstunde landen damit gut 1.000 Euro jährlich auf der Stromrechnung. Wer das nicht einfach hinnehmen will, kommt nicht umhin, zuerst zu verstehen, wo genau dieser Strom eigentlich bleibt.

Die größten Stromfresser im Überblick

Kühlschrank, Waschmaschine und Trockner sind die klassischen Verdächtigen. Ein Kühlschrank der alten Energieklasse A++ verbraucht etwa 250 bis 300 Kilowattstunden im Jahr. Ein modernes Gerät der Klasse D nach dem neuen EU-Label schafft dasselbe bei unter 100 Kilowattstunden. Der Unterschied kostet bei 32 Cent pro Kilowattstunde bis zu 64 Euro im Jahr, ohne dass man auf irgendetwas verzichtet.

Weniger offensichtlich: der Standby-Verbrauch. Fernseher, Spielekonsolen, Router und Ladegerräte ziehen dauerhaft Strom, auch wenn niemand sie aktiv nutzt. Laut Umweltbundesamt entfallen auf Standby-Verluste in deutschen Haushalten rund sechs Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden sind das etwa 210 Kilowattstunden, also knapp 70 Euro, die buchstäblich für nichts ausgegeben werden.

Messen statt raten

Wer nicht weiß, welche Geräte tatsächlich viel verbrauchen, sollte ein Strommessgerät kaufen. Das kostet im Handel zwischen 15 und 30 Euro und amortisiert sich schnell. Einfach das Gerät zwischen Steckdose und Verbraucher schalten, einen repräsentativen Zeitraum messen und den Jahresverbrauch hochrechnen. So lassen sich Überraschungen aufdecken: Ein alter Gefrierschrank im Keller kann problemlos 400 Kilowattstunden im Jahr verbrauchen und damit teurer sein als ein kompletter Neukauf innerhalb von drei Jahren.

Alternativ bieten manche Stromanbieter Smart-Meter-Gateways an, die den Verbrauch in Echtzeit anzeigen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür regelt das Messstellenbetriebsgesetz, das unter gesetze-im-internet.de vollständig einsehbar ist. Wer einen solchen digitalen Zähler installiert hat, kann tagesgenaue Verbrauchsprofile erstellen und gezielt gegensteuern.

Waschen, Trocknen, Kochen: Gewohnheiten kosten Geld

Die Waschmaschine läuft bei vielen Haushalten täglich. Wer von 60 Grad auf 40 Grad wechselt, spart bei einem Verbrauch von 1,2 Kilowattstunden pro Waschgang je nach Gerät 30 bis 40 Prozent Energie, ohne dass die Wäsche schmutziger wird. Für stark verschmutzte Arbeitskleidung oder Bettwäsche von Kranken ist der 60-Grad-Gang sinnvoll, für normale Alltagskleidung nicht.

Beim Kochen bringt ein Deckel auf dem Topf schon 20 bis 30 Prozent Ersparnis beim Erhitzen. Induktionsherde sind rund 40 Prozent effizienter als herkömmliche Elektroherde, weil sie Wärme direkt im Topfboden erzeugen statt über eine heiße Platte abzugeben. Wer von Elektro auf Induktion umsteigt und täglich kocht, spart schnell 50 bis 80 Euro im Jahr.

Den Tarif überprüfen lohnt sich fast immer

Viele Haushalte zahlen seit Jahren denselben Grundversorgungs-Tarif, obwohl günstigere Alternativen existieren. Der Preisunterschied zwischen dem teuersten und günstigsten seriösen Anbieter in einer Region kann leicht 5 bis 8 Cent pro Kilowattstunde betragen. Bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspricht das 175 bis 280 Euro, die ein Wechsel einsparen kann. Um Tarife transparent zu vergleichen, kann man hier vergleichen und dabei eigene Verbrauchsdaten eingeben, um konkrete Einsparpotenziale zu sehen.

Wichtig beim Tarifwechsel: Laufzeiten und Preisgarantien genau lesen. Tarife ohne Preisgarantie können kurzfristig steigen. Ein Vertrag mit zwölf Monaten Preisbindung gibt zumindest Planungssicherheit für ein Jahr. Vorauszahlung oder ungewöhnlich kurze Mindestlaufzeiten sind Warnsignale, die zu näherer Prüfung veranlassen sollten.

Heizung und Warmwasser: der unterschätzte Faktor

Elektrische Heizgeräte wie Heizlüfter oder Infrarotpanele sind unter allen Heiztechnologien die teuerste Variante. Ein 2.000-Watt-Heizlüfter, der täglich vier Stunden läuft, verbraucht im Monat 240 Kilowattstunden, also knapp 77 Euro allein für dieses eine Gerät. Wer ihn als Dauerlösung einsetzt, sollte den Umstieg auf eine zentrale Heizung ernsthaft prüfen.

Elektrische Warmwasserbereiter sind ähnlich kostspielig. Wer täglich duscht und einen Durchlauferhitzer mit 18 Kilowatt betreibt, kommt schnell auf 600 bis 800 Kilowattstunden pro Monat allein fürs Warmwasser. Eine Solaranlage für Warmwasser amortisiert sich laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts je nach Standort und Anlagetyp in sieben bis zwölf Jahren. Wer zur Miete wohnt, kann zumindest auf kürzere Duschzeiten setzen und den Durchlauferhitzer auf die niedrigstmögliche Temperatur einstellen, die hygienisch noch vertretbar ist.

Kleine Schritte mit messbarer Wirkung

  • Kühlschranktemperatur prüfen: 7 Grad im Kühlschrank und minus 18 Grad im Gefrierfach reichen aus. Jedes Grad weniger erhöht den Verbrauch um etwa sechs Prozent.
  • Schaltbare Steckdosenleisten verwenden: Gerätegruppen im Wohnzimmer oder am Schreibtisch lassen sich so komplett vom Netz trennen, nicht nur auf Standby schalten.
  • Geschirrspüler nur vollbeladen laufen lassen: Ein halbvoller Spülgang verbraucht genauso viel Strom und Wasser wie ein vollständig beladener.
  • Energiesparlampen und LED: Eine LED-Lampe mit 8 Watt ersetzt eine Glühbirne mit 60 Watt. Bei täglich fünf Stunden Betrieb spart eine einzige Lampe im Jahr rund 9 Kilowattstunden, bei zehn Lampen im Haushalt sind das 90 Kilowattstunden oder etwa 29 Euro.

Wer alle genannten Maßnahmen konsequent umsetzt, kann realistisch 15 bis 25 Prozent seines bisherigen Stromverbrauchs einsparen, ohne Komfortverzicht. Auf einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bezogen, bedeutet das 525 bis 875 Kilowattstunden weniger, also 168 bis 280 Euro. Das lohnt sich, und die meisten Maßnahmen kosten entweder nichts oder wenige Euro für ein Messgerät oder eine Steckdosenleiste.

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