Familienurlaub Kanaren: Welche Insel passt?

Wer mit Kindern verreist, will keine bösen Überraschungen. Lange Anfahrtswege zum Strand, Wellen, die für Kleinkinder zu stark sind, oder ein Mangel an Schatten können einen Urlaub schnell kippen. Die Kanarischen Inseln gelten seit Jahrzehnten als verlässliches Ziel für Familien, doch der pauschale Hinweis „Kanaren mit Kindern“ greift zu kurz. Die sieben Hauptinseln unterscheiden sich erheblich: in der Landschaft, in der Infrastruktur, im Wellengang und in dem, was man dort überhaupt unternehmen kann.

Teneriffa: Groß, vielseitig, manchmal überwältigend

Teneriffa ist die größte und meistbesuchte Insel. Das hat Vor- und Nachteile. Familien finden hier alles unter einem Dach: Den Siam Park in Costa Adeje, der seit Jahren zu den besten Wasserparks Europas zählt und Kinder ab etwa fünf Jahren begeistert. Den Teide-Nationalpark, den man mit der Seilbahn erschließen kann. Und ruhige Strandabschnitte im Süden, zum Beispiel in Los Cristianos oder Playa de Las Américas, wo der Wind deutlich schwächer ist als im Norden.

Der Norden der Insel, rund um Puerto de la Cruz, ist grüner, kühler und weniger touristisch. Für Familien mit schulpflichtigen Kindern, die mehr als nur Strand suchen, kann das attraktiv sein. Wer allerdings mit einem Kleinkind unter drei Jahren anreist, ist mit dem windstilleren Süden und seinen flacheren Stränden besser beraten.

Gran Canaria: Sanddünen und kurze Wege

Gran Canaria hat einen klaren Trumpf: Maspalomas im Süden. Die Dünenlandschaft dort ist einzigartig auf den Kanaren und für Kinder ein natürlicher Abenteuerspielplatz. Der angrenzende Strand Playa del Inglés bietet ruhigere Abschnitte, der Wellengang ist im Vergleich zu den Westküsten anderer Inseln moderat.

Hinzu kommt, dass Gran Canaria von Deutschland aus gut und vergleichsweise günstig zu erreichen ist. Viele Direktflüge starten ab Köln, Frankfurt, München oder Hamburg, die Flugzeit beträgt rund vier Stunden. Das spielt eine Rolle, wenn man mit kleinen Kindern fliegt. Der Freizeitpark Palmitos Park, mit Delfinshow, Vogelhaus und Schmetterlingshaus, richtet sich explizit an Familien und lässt sich gut mit einem Halbtagsausflug verbinden.

Lanzarote: Vulkanlandschaft, die Kinder fasziniert

Lanzarote polarisiert. Die Mondlandschaft, schwarze Lavafelder und die Farbgebung des Timanfaya-Nationalparks wirken auf Erwachsene oft beeindruckend, auf manche Kinder aber anfangs fremdartig. In der Praxis zeigt sich jedoch: Gerade Kinder im Grundschulalter reagieren auf die Vulkanlandschaft mit echter Begeisterung, besonders wenn man die Geysire im Nationalpark erlebt, wo kochendes Wasser aus Erdlöchern schießt.

Für Familien mit kleineren Kindern empfehlen sich Playa Blanca im Süden und die Strände rund um Costa Teguise. Das Wasser dort ist vergleichsweise ruhig, und die touristische Infrastruktur funktioniert zuverlässig. Lanzarote ist außerdem kompakter als Teneriffa oder Gran Canaria, was bedeutet: weniger Zeit im Auto, mehr Zeit am Strand.

Fuerteventura: Ideal für Familien mit älteren Kindern

Fuerteventura gilt als die windigste Insel der Kanaren, was sie zum Paradies für Surfer und Kitesurfer macht. Für Familien mit Kleinkindern ist das eine echte Einschränkung. Wer allerdings Kinder im Teenager-Alter mitbringt, die selbst aktiv werden wollen, findet hier ideale Bedingungen. Schulen für Windsurfen und Kitesurfen gibt es in Corralejo und El Cotillo in großer Zahl, viele bieten Kurse ab zwölf Jahren an.

Der Strand Playa de Sotavento im Süden der Insel zählt zu den schönsten der Kanaren und ist wegen der Lagunenbildung bei Ebbe auch für Nicht-Surfer attraktiv. Wer eine Woche Fuerteventura plant, sollte den Norden und Süden nicht miteinander verwechseln: Der Süden ist ruhiger, der Norden surferlastiger.

Welche Insel für welche Familie?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Wer konkrete Entscheidungshilfen sucht, findet beim Thema Kanaren mit Kindern ausführliche Vergleiche, die nach Alter der Kinder, Budget und Aktivitätslevel differenzieren. Denn ob man mit einem Zweijährigen oder einem Fünfzehnjährigen reist, macht einen erheblichen Unterschied bei der Inselwahl.

Als grobe Orientierung lässt sich folgendes festhalten:

  • Kleinkinder bis 4 Jahre: Teneriffa Süd oder Lanzarote Playa Blanca, wegen ruhiger Strandabschnitte und guter medizinischer Versorgung vor Ort
  • Kinder von 5 bis 10 Jahren: Gran Canaria oder Teneriffa, wegen Freizeitangeboten wie Wasserparks und Naturausflügen
  • Teenager ab 12 Jahren: Fuerteventura oder Lanzarote, wegen Aktivsport und ungewöhnlicher Landschaften
  • Gemischte Gruppen mit verschiedenen Altersgruppen: Teneriffa, weil die Insel groß genug ist, um für jeden etwas zu bieten

Praktische Details, die den Unterschied machen

Neben der Inselwahl selbst gibt es einige Details, die Familien häufig unterschätzen. Der Flughafen Teneriffa Süd liegt näher an den Urlaubsorten als der ältere Flughafen im Norden. Wer dort landet und direkt nach Los Cristianos will, ist in 20 Minuten am Hotel. Wer versehentlich nach Teneriffa Nord fliegt und im Süden wohnt, sitzt 90 Minuten im Taxi.

Mietwagen sind auf allen Inseln empfehlenswert, sobald Kinder dabei sind und man flexibel sein will. Preise für eine Woche mit einem Kompaktwagen starten auf Gran Canaria und Teneriffa bei etwa 150 bis 200 Euro, wenn man frühzeitig bucht. Auf Lanzarote und Fuerteventura liegen die Preise ähnlich. Kindersitze müssen beim Anbieter vorher reserviert werden, nicht erst vor Ort.

Ein letzter Punkt, den Eltern oft erst im Urlaub bemerken: Die Kanaren liegen in der Atlantikzeit, also im Winter eine Stunde hinter Deutschland, im Sommer zwei Stunden. Das erleichtert den Schlafrhythmus kleiner Kinder erheblich im Vergleich zu Reisen in östliche Zeitzonen. Für einen entspannten Familienurlaub ist das kein Nebenpunkt, sondern ein echter Faktor.

Mehr zum Thema "Allgemein"