WM 2026: Was das größte Turnier aller Zeiten bedeutet

Im Sommer 2026 findet etwas statt, das es in dieser Form noch nie gegeben hat. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird gleichzeitig in drei Ländern ausgetragen, auf zwei Kontinenten, in 16 Städten zwischen Vancouver und Miami. Das allein wäre schon eine Zäsur. Dazu kommt die Aufstockung des Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Mannschaften. 104 Spiele statt bisher 64. Die FIFA nennt das „die größte WM der Geschichte“, was schlicht stimmt, ohne dass dahinter besonders viel Bescheidenheit steckt.

Drei Länder, ein Turnier

Das Gastgebermodell 2026 ist in der WM-Geschichte einmalig. Kanada, Mexiko und die USA teilen sich das Turnier. Mexiko ist damit das einzige Land, das zum dritten Mal als Gastgeber auftritt, nach 1970 und 1986. Die USA richten die WM nach 1994 zum zweiten Mal aus, Kanada erstmals überhaupt. Organisiert wird das Ganze unter dem gemeinsamen Dach des Bewerbungskomitees United 2026, das sich bereits 2018 gegen Marokko durchgesetzt hatte.

Die Spielorte in den USA umfassen unter anderem New York, Los Angeles, Dallas, Miami und Seattle. Aus Mexiko sind es Guadalajara, Monterrey und Mexiko-Stadt, aus Kanada Toronto und Vancouver. Das Finale findet am 19. Juli 2026 im MetLife Stadium in New Jersey statt, das rund 82.000 Zuschauer fasst. Die geografischen Distanzen zwischen den Spielorten sind enorm. Dallas und Toronto trennen gut 2.200 Kilometer Luftlinie. Das stellt Mannschaften mit dichtem Spielplan vor logistische Herausforderungen, die bei früheren Turnieren keine Rolle spielten.

Das neue Format und was es verändert

Mit 48 Teams ändert sich der Turniermodus grundlegend. Statt acht Vierergruppen gibt es zwölf Dreiergruppen. Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich direkt für die Runde der 32, die besten acht Drittplatzierten ebenfalls. Das klingt zunächst nach mehr Spannung, hat aber einen entscheidenden Haken: In einer Dreiergruppe reichen drei Spiele nicht, um statistische Ausreißer zu glätten. Ein einzelnes Tor in einem Spiel kann über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden, und das Risiko abgesprochener Ergebnisse im letzten Gruppenspiel ist real. Die FIFA hat darauf reagiert, indem beide abschließenden Gruppenspiele zeitgleich angepfiffen werden.

Für eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Gruppen und dem ersten Spieltag lohnt sich ein Blick auf die WM 2026 Gruppenphase Analyse, die die Konstellationen und Ausgangssituationen der einzelnen Gruppen systematisch aufdröselt. Das neue Format erzeugt jedenfalls mehr Spiele für die Fans, mehr Einnahmen für die FIFA und mehr Unsicherheit für die Turnierplanung kleiner Verbände.

Wer ist Favorit?

Die Antwort ist ernüchternd eindeutig: Frankreich, Brasilien, Argentinien, England und Spanien. Argentinien kommt als amtierender Weltmeister nach dem Triumph 2022 in Katar. Lionel Messi wäre dann 38 Jahre alt, spielt aber noch immer bei Inter Miami in der MLS und trainiert damit auf nordamerikanischem Boden, was ihm den Turnier-Heimvorteil in einem ganz eigenen Sinn beschert.

Deutschland befindet sich in einem Umbruch, der je nach Perspektive als hoffnungsvoller Neuanfang oder als unvollendete Baustelle gilt. Nach dem frühen Aus bei der WM 2022 und dem Scheitern in der Vorrunde 2018 ist die Erwartungshaltung gesunken, was den Druck paradoxerweise erhöht. Bundestrainer Julian Nagelsmann arbeitet mit einem vergleichsweise jungen Kader, in dem Spieler wie Florian Wirtz und Jamal Musiala die Schlüsselrollen übernehmen sollen.

Außenseiter mit Potenzial

  • Portugal: Mit oder ohne Ronaldo ein Turnierfavorit der zweiten Reihe, mit Bernardo Silva und Rafael Leão im besten Fußballalter.
  • Marokko: Das Halbfinale 2022 war kein Zufall. Der afrikanische Fußball wächst strukturell, und Marokko hat 2030 selbst eine WM vor der Brust.
  • USA: Als Gastgeber mit dem Rückhalt des Heimvorteils und einer Generation von Spielern, die in den besten europäischen Ligen spielen, darunter Christian Pulisic bei AC Milan.
  • Japan: Seit Jahren das stärkste Team Asiens, taktisch diszipliniert und in der Lage, jeden Favoriten zu schlagen.

Der wirtschaftliche Rahmen

Die FIFA rechnet mit Einnahmen von über elf Milliarden US-Dollar durch die WM 2026, knapp doppelt so viel wie 2022. Der nordamerikanische Markt gilt als der kommerziell attraktivste der Welt, und Fußball hat dort in den vergangenen zehn Jahren an Reichweite erheblich gewonnen. Die MLS hat ihre Zuschauerzahlen gesteigert, die Medienrechte sind gestiegen, und mit Messis Wechsel zu Inter Miami 2023 ist das Thema in den USA auf ein neues Öffentlichkeitsniveau gehoben worden.

Kritisch zu sehen ist, wie mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen wird. 104 Spiele in 16 Städten auf zwei Kontinenten bedeuten ein enormes Reiseaufkommen, sowohl für Mannschaften als auch für Fans. Das Umweltbundesamt weist in seinen Berichten regelmäßig darauf hin, dass Großveranstaltungen mit internationalem Reiseverkehr zu den emissionsintensivsten Freizeitaktivitäten überhaupt gehören. Die FIFA hat Klimakompensationsversprechen abgegeben, die von unabhängigen Beobachtern skeptisch bewertet werden.

Was das Turnier für den Fußball bedeutet

Die Aufstockung auf 48 Teams ist keine sportliche, sondern eine politische und wirtschaftliche Entscheidung. Sie gibt mehr Verbänden eine WM-Teilnahme, stärkt die FIFA-Mitgliederbindung und öffnet neue Märkte. Ob das dem Spiel selbst nützt, ist fraglich. Mehr Teams bedeuten auch mehr Partien mit großem Qualitätsgefälle. Gruppenspiele zwischen Fußballnationen, die global kaum wahrgenommen werden, könnten das Turnier in der Breite verwässern.

Andererseits hat die WM immer auch eine Funktion jenseits des Spitzensports gehabt. Sie ist ein kulturelles Ereignis, ein Moment kollektiver Aufmerksamkeit, der weit über den Sport hinausgeht. Die Geschichte des Turniers, dokumentiert unter anderem auf den Seiten der Wikipedia zur Fußball-Weltmeisterschaft, zeigt, dass selbst umstrittene Entscheidungen im Nachhinein oft als Wendepunkte betrachtet werden.

Die WM 2026 wird Maßstäbe setzen, ob man das will oder nicht. Die Frage ist nicht, ob sie gigantisch wird. Die Frage ist, ob das Gigantische dem Fußball bekommt.

Mehr zum Thema "Sport"