Reithelm Größe bestimmen – so sitzt er richtig

Ein Reithelm ist keine Frage des Stils. Er ist das einzige Stück Ausrüstung, das im schlimmsten Fall über Leben und Tod entscheiden kann. Trotzdem kaufen erschreckend viele Reiterinnen und Reiter ihren Helm nach Gefühl, nach Optik oder schlicht nach dem günstigsten Preis, ohne vorher den eigenen Kopfumfang gemessen zu haben. Das Ergebnis: Helme, die drücken, verrutschen oder bei einem Sturz keinen ausreichenden Schutz bieten, weil sie schlicht nicht sitzen.

Kopfumfang messen: Zentimeter entscheiden

Der erste Schritt ist denkbar einfach, wird aber erstaunlich oft übersprungen. Du brauchst ein weiches Maßband, wie es beim Schneider üblich ist, und einen Spiegel oder eine zweite Person. Das Maßband wird etwa zwei Finger breit über den Augenbrauen angesetzt und dann waagerecht um den Kopf geführt, direkt über den Ohren und über den breitesten Punkt des Hinterkopfs. Dieser Wert wird in Zentimetern abgelesen, am besten zweimal, um Messfehler auszuschließen.

Wichtig ist, dass das Band weder zu straff noch zu locker sitzt. Ein zu fest gezogenes Band ergibt einen Wert, der zu klein ist, ein zu locker gehaltenes liefert eine Zahl, die zu großen Helmen führt. Bei 57 cm Kopfumfang entspricht das in den meisten europäischen Helmgrößensystemen einer Größe 57 oder S/M, je nach Hersteller. Bei 60 cm landet man typischerweise bei Größe L. Diese Orientierungswerte sind allerdings nur der Einstieg, nicht das Ende der Suche.

Warum Hersteller-Tabellen allein nicht reichen

Jeder Helmhersteller hat seine eigene Passform-Philosophie. Ein Helm von Charles Owen in Größe 57 fühlt sich anders an als ein Modell von Uvex oder Kask in derselben Konfektionsgröße. Das liegt vor allem an der Helmschale: Manche Modelle sind eher oval geformt, andere eher rund. Wer einen schmalen, langen Kopf hat, wird mit einem ovalen Helm glücklicher als jemand mit einem breiten, kurzoval geformten Schädel.

Genau hier liegt die Schwäche reiner Größentabellen. Sie sagen, welchen Umfang ein Helm fasst, aber nicht, ob die Form zu deinem Kopf passt. Wenn du zum Beispiel einen Umfang von 58 cm hast und der Helm an der Stirn drückt, aber an den Seiten Luft lässt, liegt das fast immer an der Schalenform. Wer dann gezielt nach Lösungen sucht, findet bei spezialisierten Ratgebern wie dem Reithelm Größe finden-Guide konkrete Hinweise, welche Modelle für bestimmte Kopfformen besser geeignet sind.

Der Sitztest: So erkennst du den richtigen Helm

Ein Helm muss beim ersten Aufsetzen gleichmäßig Druck auf den gesamten Kopf ausüben, ohne an einer einzelnen Stelle zu kneifen. Die Faustregel lautet: Der Helm darf sich eng anfühlen, aber nirgends schmerzen. Konkret bedeutet das folgende Punkte zu prüfen:

  • Schütteltest: Den aufgesetzten Helm links und rechts schütteln. Er darf sich kaum bewegen, höchstens ein bis zwei Zentimeter seitlich.
  • Kipp-Test: Den Helm nach vorne und hinten kippen. Wandert er mehr als zwei Finger breit, ist er zu groß.
  • Stirn-Check: Zwischen Stirn und Helmrand sollten maximal zwei Finger Platz passen. Mehr Abstand bedeutet: der Helm sitzt zu hoch.
  • Druckpunkte: Nach fünf Minuten Tragezeit muss der Helm immer noch gleichmäßig sitzen. Lokale Druckpunkte an Schläfen, Stirn oder Hinterkopf sind ein Ausschlusskriterium.

Der Kinnriemen wird bei diesem Test noch nicht zugezogen. Er soll den Helm im Sturz halten, nicht den schlechten Sitz eines zu großen Helms kompensieren.

Häufige Fehler beim Helmkauf

Der teuerste Fehler ist der Kauf ohne Anprobe. Gerade im Online-Handel wird oft ein Helm bestellt, der laut Tabelle passen sollte, und dann behalten, weil die Rückgabe umständlich erscheint. Ein Helm, der an der Stirn drückt, wird das nach drei Stunden im Sattel noch deutlicher tun. Kopfschmerzen nach dem Reiten sind kein normales Phänomen, sondern ein klares Signal, dass der Helm nicht sitzt.

Ein weiterer Fehler betrifft das Haarstyling. Lange Haare werden für den Kauf zum Dutt oder Zopf gesteckt, genau so, wie sie später unter dem Helm getragen werden. Wer mit offenem Haar misst, aber immer mit Haargummi reitet, kauft einen Helm, der im Alltag zu locker sitzt.

Und schließlich: Helme altern. Die meisten Hersteller empfehlen einen Austausch nach spätestens fünf Jahren, unabhängig von Stürzen, allein wegen der Materialalterung durch UV-Strahlung und Schweiß. Nach einem Sturz mit Kopfaufschlag gehört der Helm sofort ersetzt, auch wenn er äußerlich unbeschädigt wirkt. Die Styropor-Innenstruktur, die den Aufprall absorbiert, ist danach komprimiert und funktioniert beim nächsten Sturz nicht mehr zuverlässig.

Normen und Zertifikate: Was wirklich zählt

In Deutschland und Österreich ist die Norm EN 1384 die Mindestanforderung für Reithelme. Viele Vereine und Turnierreiter setzen inzwischen auf die strengere ASTM F1163 aus dem amerikanischen Raum oder auf den britischen PAS 015-Standard, der als einer der härtesten gilt. Der SNELL-E2016-Standard bietet ebenfalls einen sehr hohen Schutzlevel und ist zunehmend in professionellen Kreisen gefragt.

Ein Helm mit CE-Zeichen allein sagt wenig. Entscheidend ist, welche genaue Norm er erfüllt. Das steht auf einem Aufkleber im Helminneren, oft in kleiner Schrift, und sollte vor dem Kauf geprüft werden.

Kurze Orientierung: Kopfumfang und typische Helmgrößen

Kopfumfang (cm) Typische EU-Helmgröße
52 bis 53 XS / 52
54 bis 55 S / 54
56 bis 57 S-M / 56
58 bis 59 M / 58
60 bis 61 L / 60
62 bis 63 XL / 62

Diese Tabelle ist ein Einstieg, kein Urteil. Sie ersetzt weder die Anprobe noch den Sitztest. Wer seinen Kopfumfang kennt, die passende Form für seinen Schädel findet und die Sicherheitsnormen im Blick behält, fährt mit jedem Helm besser als jemand, der sich auf den günstigsten Klick verlässt. Reiten bedeutet immer ein gewisses Risiko. Der Helm ist die unkomplizierteste Möglichkeit, dieses Risiko zu begrenzen.

Mehr zum Thema "Sport"