Kapuzinerkresse: Zierde und Küche im Gemüsegarten

Wer einmal gesehen hat, wie eine Kapuzinerkresse in voller Blüte einen Gemüsegarten überzieht, versteht schnell, warum diese Pflanze seit Jahrhunderten kultiviert wird. Die leuchtend orangen, gelben und roten Blüten sind dabei nur der auffälligste Teil einer Pflanze, die vom Samen bis zum Blatt vollständig essbar ist und gleichzeitig nützliche Dienste im Beet übernimmt.

Mehr als Dekoration: Was die Kapuzinerkresse wirklich kann

Tropaeolum majus, so der botanische Name, stammt ursprünglich aus den Andenregionen Südamerikas. Spanische Seefahrer brachten sie im 16. Jahrhundert nach Europa, zunächst als Heilpflanze, später als Küchen- und Zierpflanze. Der senfölglykosinhaltige Pflanzensaft verleiht allen Teilen einen charakteristischen, leicht scharfen Geschmack, der an Kresse erinnert, daher auch der deutsche Name.

Im modernen Gemüsegarten hat die Kapuzinerkresse mehrere Rollen gleichzeitig. Sie lockt Blattläuse an und hält sie damit von empfindlicheren Kulturen wie Tomaten oder Bohnen fern. Gleichzeitig zieht sie Bestäuber an, und ihre dichten Blattmassen beschatten den Boden, was die Verdunstung verringert und Unkraut unterdrückt.

Aussaat, Standort und Pflege

Die Aussaat erfolgt ab Mitte April direkt ins Freiland, sobald kein Frost mehr zu erwarten ist. Die Samen sind mit etwa 6 bis 8 Millimetern Durchmesser verhältnismäßig groß, was die Handhabung einfach macht. Pro Quadratmeter reichen 5 bis 8 Samen aus, Abstand zwischen den Pflanzen sollte mindestens 25 Zentimeter betragen. Bei Vorkultur auf der Fensterbank ab Ende März kann die Blüte drei bis vier Wochen früher beginnen.

Wer sich näher mit dem richtigen Standort und den verschiedenen Wuchsformen beschäftigen möchte, findet bei Kapuzinerkresse im Garten eine ausführliche Übersicht zu Sortenunterschieden, Bodenvorbereitung und typischen Pflegefehlern. Grundsätzlich gilt: Die Pflanze mag es sonnig bis halbschattig, verträgt trockene Phasen besser als Staunässe und kommt auf nährstoffarmen Böden oft üppiger in Blüte als auf stark gedüngten Flächen. Wer zu viel Stickstoff gibt, erntet vor allem Blätter und wenig Blüten.

Gegossen wird nur bei anhaltender Trockenheit, die Pflanze ist ausgesprochen genügsam. Düngung ist in der Regel nicht notwendig und häufig sogar kontraproduktiv. Die Hauptpflegemaßnahme besteht darin, verblühte Blüten regelmäßig zu entfernen, was die Bildung neuer Knospen über den gesamten Sommer bis zum ersten Frost fördert.

Blüten, Blätter und Samen in der Küche

In der Küche ist fast jeder Teil verwendbar, und der Geschmack variiert je nach Pflanzenteil und Erntezeitpunkt. Die Blüten schmecken mild scharf und leicht süßlich, die Blätter kräftiger und etwas pfeffriger. Die unreifen grünen Samen sind am schärfsten und wurden historisch als Kapernersatz verwendet, was ihnen den englischen Namen „poor man’s capers“ einbrachte.

  • Blüten: Roh in Salate geben, auf Frischkäse legen oder als Garnitur für Suppen verwenden. Die Blütenblätter einzeln oder ganz, beides funktioniert.
  • Blätter: Junge, kleinere Blätter sind zarter und weniger scharf. Größere Blätter lassen sich hacken und mit Kräuterbutter oder Dips mischen.
  • Grüne Samen: In Essig und Salzlake einlegen, nach etwa drei Wochen sind sie als Kapernersatz verwendbar. Verhältnis: 100 ml Weißweinessig, 1 TL Salz, 200 ml Wasser.
  • Reife Samen: Getrocknet und gemahlen als scharfes Würzmittel einsetzbar.

Beim Sammeln gilt: Nur Blüten und Blätter ernten, die nicht mit chemischen Mitteln behandelt wurden. Blüten vor dem Verzehr kurz abschütteln, da sich gelegentlich kleine Insekten darin aufhalten. Waschen trübt das Erscheinungsbild, schadet dem Geschmack aber kaum.

Sorten für unterschiedliche Zwecke

Der Markt bietet eine beeindruckende Sortenvielfalt, wobei sich die Auswahl nach dem geplanten Einsatz richten sollte.

Sorte Wuchs Besonderheit
Alaska kompakt, bis 30 cm weiß-grün panaschierte Blätter, dekorativ
Empress of India kompakt dunkelrote Blüten, blaugrüne Blätter
Jewel buschig, bis 40 cm Mischung verschiedener Farben, reichblütig
Gleam halbkletternd, bis 80 cm gut für Rankgitter oder Beeteinfassungen
Tropaeolum majus kletternd, bis 2,5 m klassische Form, ideal für Zäune

Für den Einsatz im Gemüsegarten als Begleitpflanze empfehlen sich buschige Sorten, die nicht zu viel Platz beanspruchen. Als Sichtschutz oder zur Begrünung eines Zaunabschnitts leisten die kletternden Formen gute Dienste.

Schädlingsmanagement mit Kapuzinerkresse

Die Kapuzinerkresse funktioniert im Garten als sogenannte Fangpflanze. Blattläuse bevorzugen sie gegenüber vielen anderen Kulturen, was sich gezielt nutzen lässt. Wer drei bis vier Kapuzinerkresse-Pflanzen am Rand eines Tomaten- oder Kürbisbeetes setzt, beobachtet häufig, dass die Läuse dort konzentriert auftreten und die Hauptkultur weitgehend verschonen.

Gleichzeitig lockt die Pflanze Marienkäfer und Schwebfliegen an, beides natürliche Blattlausfeinde. Eine vollständige Lösung ist das nicht, aber als Teil eines durchdachten Anbausystems reduziert es den Schädlingsdruck spürbar. Befallene Triebe der Kapuzinerkresse lassen sich großzügig abschneiden und entfernen. Die Pflanze treibt schnell nach und blüht weiter.

Selbstaussaat und Perennialität

Obwohl die Kapuzinerkresse als einjährige Pflanze gilt und keinen Frost übersteht, sät sie sich in milden Lagen zuverlässig selbst aus. Wer im Herbst einige Samen am Boden lässt, wird im darauffolgenden Frühjahr ohne weiteres Zutun neue Pflanzen vorfinden, manchmal an unerwarteten Stellen. Das kann ein Vorteil sein, wenn die Pflanze auf einer größeren Fläche willkommen ist. Wer dagegen Ordnung im Beet bevorzugt, sollte die Samenstände vor der Reife entfernen.

Abgefallene Samen überstehen einen mitteleuropäischen Winter im Boden problemlos. Die Keimung beginnt sobald Bodentemperatur und Tageslänge stimmen, meist ab April. Diese Selbstaussaat macht die Kapuzinerkresse zu einer der pflegeleichtesten Ergänzungen im Gemüsegarten, sofern man ihr ein gewisses Eigenleben zugesteht.

Wer eine Pflanze sucht, die im Garten mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt, Blattläuse fernhält, Bestäuber anlockt, den Boden bedeckt und obendrein einen ganzen Sommer lang Blüten, Blätter und Samen für die Küche liefert, findet in der Kapuzinerkresse eine der effizientesten Optionen, die der mitteleuropäische Gemüsegarten bereithält.

Mehr zum Thema "Haus und Garten"