Fisch für Katzen: Gesund oder gefährlich?

Das Bild sitzt tief: die Katze mit dem Fisch. Kein Katzenfutterbild ohne einen glänzenden Thunfisch, kein Werbespot ohne den Duft vom Herd. Dabei hat die Hauskatze evolutionär betrachtet mit Fisch wenig zu tun. Ihre Vorfahren lebten in der nordafrikanischen Steppe, jagten Mäuse und Vögel, kein Meeresgetier. Dass Fisch trotzdem zum Symbol für Katzenfutter wurde, ist vor allem eine Geschichte des Marketings. Ob er der Katze tatsächlich guttut, ist eine andere Frage.

Was Katzen wirklich brauchen

Katzen sind obligate Karnivoren. Das bedeutet: Sie sind biologisch darauf angewiesen, tierisches Eiweiß aufzunehmen. Bestimmte Aminosäuren, die andere Säugetiere selbst synthetisieren können, müssen Katzen über die Nahrung aufnehmen. Taurin ist das bekannteste Beispiel. Ein Taurinmangel führt bei Katzen zu Herzmuskelerkrankungen und Sehverlust, beides ernstzunehmende Folgen.

Fisch enthält Taurin. Er liefert außerdem Omega-3-Fettsäuren, vor allem EPA und DHA, die entzündungshemmend wirken und das Fell sowie die Gelenkgesundheit unterstützen. Auf dem Papier klingt Fisch also gut. Aber der Teufel steckt, wie fast immer in der Ernährungslehre, im Detail.

Die Schattenseite des Fischkonsums

Roher Fisch enthält das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 abbaut. Thiamin, so der andere Name, ist für das Nervensystem der Katze unverzichtbar. Wer seiner Katze regelmäßig rohen Fisch gibt, riskiert einen schleichenden B1-Mangel mit Symptomen wie Gangstörungen, Krampfanfällen und im schlimmsten Fall Tod. Gegarter Fisch ist deshalb in dieser Hinsicht deutlich sicherer, weil Hitze die Thiaminase zerstört.

Ein weiteres Problem sind Schwermetalle. Thunfisch steht hier besonders in der Kritik. Als Raubfisch an der Spitze der Nahrungskette akkumuliert er Quecksilber über seine gesamte Lebenszeit. Eine Studie der US-amerikanischen FDA aus dem Jahr 2014 zeigte, dass Thunfischkonserven für Menschen mit erhöhtem Quecksilbergehalt belastet sind. Für Katzen, die deutlich kleiner sind und damit eine geringere Körpermasse haben, ist das Risiko bei regelmäßigem Konsum entsprechend höher.

Hinzu kommt der Suchtfaktor. Thunfisch besitzt ein ausgeprägtes Aromaprofil, das viele Katzen regelrecht fesselt. Katzen, die über Wochen fast ausschließlich Thunfisch bekommen, lehnen anschließend andere Futter ab. Tierärzte sprechen von „Thunfischsucht“, ein umgangssprachlicher Begriff für eine echte Verhaltensproblematik.

Welche Fischsorten geeignet sind

Nicht jeder Fisch birgt dieselben Risiken. Grundsätzlich gilt: Kleine, kurzlebige Fische akkumulieren weniger Schadstoffe als große Raubfische. Sardinen, Hering und Makrele gelten als vergleichsweise unbedenklich und liefern gleichzeitig viele Omega-3-Fettsäuren. Lachs ist eine gute Quelle für gesunde Fette, sollte aber ebenfalls nur gelegentlich verfüttert werden, da auch er Schadstoffe enthalten kann.

Wer sich einen Überblick über geeignete und weniger geeignete Optionen verschaffen will, findet in Ratgebern zu Fischsorten im Katzenfutter konkrete Hinweise darauf, welche Arten in Fertigfutter verarbeitet werden und wie sie bewertet werden. Das lohnt sich besonders beim Kauf von Nassfutter, wo Fisch häufig als Hauptzutat aufgeführt wird, die genaue Art aber im Kleingedruckten steht.

Fertigfutter versus selbst zubereitet

Die meisten Katzenhalter greifen zu Fertigfutter. Das hat einen einfachen Vorteil: Seriöse Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, die Zusammensetzung anzugeben, und industriell hergestelltes Futter ist in der Regel ausgewogen formuliert. Der Fisch darin ist gegart und damit thiaminasefrei. Omega-3-Fettsäuren werden oft zusätzlich zugesetzt, weil sie beim Produktionsprozess verloren gehen können.

Wer seine Katze mit selbst gegartem Fisch ernähren möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Fisch immer garen, nie roh verfüttern
  • Keine Gewürze, kein Salz, keine Zwiebeln oder Knoblauch
  • Gräten vollständig entfernen
  • Fisch nur als Ergänzung, nicht als alleinige Mahlzeit
  • Keine Konservenfische in Salzlake oder Öl

Thunfisch aus der Dose, den Menschen essen, ist für Katzen aus zwei Gründen problematisch: der Salzgehalt und die Quecksilberbelastung. Wer es dennoch tut, sollte es auf seltene Ausnahmen beschränken und den Fisch in Wasser, nicht in Öl kaufen.

Wie oft ist Fisch sinnvoll?

Eine pauschale Empfehlung lautet: zwei bis drei Mal pro Woche als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung. Das entspricht auch dem, was viele Tierernährungsexperten raten. Katzen, die täglich Fisch bekommen, haben ein erhöhtes Risiko für die beschriebenen Mangelerscheinungen und Schadstoffbelastungen.

Eine ausgewogene Basis kann so aussehen:

Futtermittel Häufigkeit pro Woche Hinweis
Geflügel (Huhn, Pute) 4 bis 5 Mal Gut verträglich, mageres Protein
Fisch (Sardine, Hering) 2 bis 3 Mal Immer gegart, Gräten entfernen
Thunfisch maximal 1 Mal Schwermetallbelastung beachten
Rind oder Lamm 1 bis 2 Mal Abwechslung, gut als Ergänzung

Fazit: Fisch ja, aber mit Maß

Fisch ist kein Gift für Katzen, aber er ist auch kein Grundnahrungsmittel, das täglich auf den Teller gehört. Er kann ein sinnvoller Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung sein, wenn er gegart, grätenlos und in überschaubaren Mengen verfüttert wird. Kleine Fischarten wie Sardinen oder Hering sind dabei deutlich besser geeignet als Thunfisch, der trotz seiner Beliebtheit ernährungsphysiologisch eher eine Notlösung darstellt.

Wer sich unsicher ist, spricht am besten mit dem Tierarzt. Gerade bei Katzen mit Nierenerkrankungen, die häufig erst im mittleren Alter diagnostiziert werden, kann Fisch aufgrund seines Phosphorgehalts problematisch sein. Eine individuelle Einschätzung ersetzt jede allgemeine Faustregel. Das Bild von der Katze mit dem Fisch bleibt ein schönes Klischee. Die Realität ist etwas differenzierter.

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